Stille & Bewegung

51km, 2200 Höhenmeter, ein Bergmarathon am Ötscher

Regen, Schmerzen, ein Bach der kniefief war — und trotzdem ins Ziel. Mein Erfahrungsbericht vom Bergmarathon am Ötscher.

51km, 2200 Höhenmeter, ein Bergmarathon am Ötscher

Mein erster Ultramarathon am Berg.

51km. 2200 Höhenmeter. Regen von Anfang bis fast Ende. Und Schmerzen, die ich so noch nie bei einem Lauf gespürt habe.

Der Bergmarathon am Ötscher war bisher meine größte körperliche und mentale Herausforderung. Und irgendwie auch einer der Läufe, bei denen ich slow & wild am stärksten gespürt habe.

Der Start

07:00 Uhr Ankunft für Equipment Check und Briefing. Um 07:30 Uhr der Startschuss — und direkt dazu: strömender Regen. Nicht das sanfte Nieselregen-Feeling, sondern wirklich schütten. Zum Glück wurde aus dem strömenden Regen ab und zu ein Nieseln. Aber bei diesem Wetter halfen auch die wasserfesten Schuhe nichts. Ziemlich schnell waren die Schuhe nass und der Halt dementsprechend schlecht.

Der Beginn lief trotzdem gut. Schnell, leicht, voller Energie. Bis KM 30 war alles super — wir waren in einem guten Rhythmus, die Beine liefen, die Stimmung war gut. Von Asphalt über Schotterstraßen, Waldwege bis zu purem Gatsch — jede Art von Untergrund war dabei.

Ich wusste, dass meine Eltern zuschauen kommen und uns auf der Strecke anfeuern würden. Was aber überraschend war: Sie waren bereits bei KM 11 da — und wir haben sie noch weitere drei Mal gesehen. Das gibt einem mehr als man denkt.

Die Ötschergräben

Dann kamen die Ötschergräben.

Was optisch wahrscheinlich wunderschön ist, war an diesem Tag sowohl mental als auch körperlich eine Herausforderung der anderen Art. Bei KM 35 begannen plötzlich die Schmerzen in meiner Schulter. So stark, dass fast jeder Schritt zur Qual wurde. Laufen war nur mehr möglich, wenn ich den Arm vollkommen still hielt — und das bei noch 15km und 800 Höhenmetern vor uns.

Und als wäre das nicht genug: Aufgrund des starken Regens hatten sich die Wege verändert. Wir mussten einen Bach durchqueren. Kniefief im Wasser. Durchnässt bis auf die Knochen.

Ich war kurz davor aufzugeben.

Mein Freund hat mich irgendwie dazu gebracht weiterzumachen. Ich weiß nicht genau was er gesagt hat — aber es hat gereicht. Kurze Schultermassagen und das gemeinsame Träumen vom Ziel.

KM 48 — der kleine Ötscher

Bei KM 48 waren wir endlich oben. Der Gipfel des kleinen Ötschers. Von dort aus nur mehr runter.

600 Höhenmeter Downhill — und meine Füße schmerzten bei jedem Schritt. Die Schuhe schnitten an der Fußlasche ein. Die Schulter schmerzte. Ein Stechen im Bauch kam dazu.

Es war eine Qual. Schritt für Schritt.

Aber wir sind runtergelaufen — beziehungsweise gegangen. In der Mitte des Downhills sind wir meinem Papa begegnet, der die Strecke entlang hochgekommen war. Und weil wir eh nicht mehr schnell laufen konnten, ist er einfach mit uns gemeinsam runter.

Die Ziellinie

Mein Freund und ich liefen gemeinsam ins Ziel.

Und in dem Moment waren die negativen Gedanken weg. Stattdessen ein Lächeln im Gesicht und eine Freude, die sich schwer beschreiben lässt. Was bleibt sind die guten Erinnerungen, ein ordentlicher Muskelkater und das Wissen, dass ich so eine Herausforderung noch nie hatte. Solche Schmerzen hatte ich noch nie bei einem Lauf.

Was das mit slow & wild zu tun hat

Slow & Wild spürst du bei so einem Lauf die ganze Zeit.

Nicht weil es langsam ist — sondern weil du so präsent bist wie selten im Alltag. Jeder Schritt zählt. Jeder Moment im Regen, jeder Schmerz, jede Entscheidung weiterzumachen. Du bist vollkommen im Moment — ob du willst oder nicht.

Der Start lief so gut. Dann kam der Einbruch. Und dann die Ziellinie.

Das ist irgendwie auch das Leben.

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