Aus dem Alltag

Dinge, die ich (noch) nicht getan habe — meine persönliche Out-of-Comfort-Zone-Liste

Eine ehrliche, laufende Liste von Dingen, die mich herausfordern. Skateboard fahren, Yoga unterrichten, ein eigenes Event — mitten im Tun.

Dinge, die ich (noch) nicht getan habe — meine persönliche Out-of-Comfort-Zone-Liste

Dieser Beitrag ist anders als die meisten, die ich schreibe. Kein fertiger Guide. Keine Zusammenfassung von etwas, das ich längst gemacht habe. Sondern eine Liste, die ich gerade anfange. Mitten im Tun.


Es gibt dieses Gefühl, das ich gut kenne: Du weißt, dass du etwas willst — etwas ausprobieren, etwas wagen, etwas lernen — und gleichzeitig findest du jeden Tag einen Grund, warum heute nicht der richtige Moment dafür ist. Zu beschäftigt. Zu unsicher. Zu wenig vorbereitet.

Beim Laufen — besonders bei Wettkämpfen — kenne ich das Gegenteil. Ich stoße regelmäßig an meine Grenzen, körperlich und mental, und trotzdem ist die Schwelle inzwischen eine andere. Ich kenne den Ablauf. Ich kenne die Schmerzen. Was ungewiss bleibt: Wie groß sind sie dieses Mal? Wie laut wird der innere Schweinehund? Aber auch das weiß ich inzwischen — aufgeben kommt nicht vor. Die Grenze liegt beim Laufen weiter oben als ich sie im Alltag je vermuten würde. Deswegen steht Laufen nicht auf dieser Liste — nicht weil es leicht ist, sondern weil es keine Komfortzone mehr ist, die ich erst überwinden muss. Es ist vertrautes Terrain, das mich trotzdem fordert. Und das ist etwas anderes.

Dabei sagt die Forschung etwas ziemlich Interessantes: Zwei Psychologinnen der Cornell University und der University of Chicago haben in Experimenten mit über 2.000 Versuchspersonen herausgefunden, dass Unbehagen meist bedeutet, dass man Fortschritte macht. Unbehagen als Signal nicht für Stopp — sondern für Wachstum.

Das hat mich nachdenklich gemacht. Wie viele Dinge verschiebe ich, weil sie sich unwohl anfühlen? Und was würde passieren, wenn ich dieses Unbehagen einfach mal als gutes Zeichen interpretiere?

Ich habe angefangen, eine Liste zu schreiben.


Was die Wissenschaft über Komfortzonen sagt — kurz & ehrlich

Die Komfortzone ist psychologisch gesehen jener mentale Zustand, in dem Vertrautheit, Kontrolle und minimaler Stress dominieren — kein Feind, sondern ein evolutionäres Schutzsystem. Das finde ich wichtig. Es geht nicht darum, die Komfortzone zu bekämpfen oder sich ständig zu überwältigen.

Zwischen der Komfort- und der Panikzone liegt die Lernzone — der Bereich, in dem wir bereit sind, Risiken einzugehen, neue Wege auszuprobieren und Fehler zu machen. Sie gilt als ideale Position für persönliches Wachstum.

Lernzone, nicht Panikzone. Das ist der Unterschied zwischen mutig und unklug.

Und noch etwas hat mich überrascht: Eine Forschungsgruppe der Freien Universität Brüssel hat anhand von Alltagsprotokollen junger Erwachsener gezeigt, dass es Vorteile haben kann, sich auch mal anders zu verhalten, als es der eigenen Veranlagung entspricht. Also nicht nur neue Dinge tun — sondern manchmal auch einfach anders sein. Neue Rollen ausprobieren, bevor sie sich vertraut anfühlen.


Meine Liste — work in progress

Das ist keine Bucket List. Keine Selbstoptimierungs-Challenge. Es ist meine persönliche Sammlung von Dingen, bei denen ich merke: Da ist noch Raum. Da könnte ich wachsen. Einiges davon klingt groß, einiges klein. Beides darf sein.


🚴 Alleine mit dem Rennrad fahren

Ich habe ein Rennrad. Es steht da, es wartet, und ich fahre es kaum — und nie alleine.

Vor kurzem bin ich gestürzt. Nichts Dramatisches — ein großer blauer Fleck auf der Hüfte, Aufschürfungen am Unterarm und Ellbogen. Körperlich war es schnell vergessen. Im Kopf hat es sich festgesetzt.

Die Angst war vorher schon da, aber jetzt hat sie einen Beweis. Der Verkehr, der keine Rücksicht nimmt. Das Gefühl, am Rad noch nicht ganz sicher zu sein — nicht weil ich es nicht kann, sondern weil dieses Vertrauen in sich selbst und das Rad einfach noch fehlt. Und das Fallen — das ist kein abstraktes Szenario mehr, sondern etwas, das ich kenne. Mit jemandem dabei fühlt sich das alles ein bisschen handhabbarer an. Alleine ist es nur ich, das Rad und diese drei Dinge.

Und trotzdem zieht mich die Idee an. Irgendwann einfach losfahren, ohne auf jemanden warten zu müssen. Eine Strecke, mein Tempo, mein Kopf.

Status: Noch nicht alleine losgefahren. Aber das Rad steht bereit.


🛹 Skateboard fahren lernen

Mein Freund fährt Skateboard — und ich bin schon lange fasziniert davon. Einmal stand ich selbst oben drauf. Nur kurz. Und hatte sofort das Gefühl, dass das Board jeden Moment unter mir davonschießt und ich das Gleichgewicht verliere. Ich kann das absolut gar nicht — das ist keine falsche Bescheidenheit, das ist die Wahrheit.

Und trotzdem würde ich es gerne lernen. Etwas von 0 auf lernen — als komplette Anfängerin auf einem Skateboardplatz, wo gefühlt nur Profis herumfahren, springen und alles einfach cool ausschaut. Und dann ich, die erst mal lernen muss, da sicher oben zu stehen.

Genau das macht es interessant.

Status: Erste Stunde mit meinem Freund — Fahren und Anhalten funktioniert. Es geht los.


🧘 Eine bezahlte Yogastunde unterrichten

Noch unterrichte ich niemanden — ich praktiziere selbst, lerne, lese, beschäftige mich mit Anatomie und Sequenzaufbau. Das ist gerade Step 1. Der Plan danach: erst für Freunde unterrichten, in kleinem geschütztem Rahmen, um ein Gefühl dafür zu bekommen wie es ist, wenn andere im Raum sind und auf mich schauen.

Und dann irgendwann eine Stunde, für die jemand Geld bezahlt. Da ist plötzlich eine Erwartung im Raum — und die macht den Unterschied.

Gleichzeitig: Woher soll das Vertrauen kommen, wenn nicht aus gemachter Erfahrung?

Status: Lernphase. Nächster Schritt: erste Stunde für Freunde.


🎉 Ein eigenes Event organisieren

Eine Idee, die ich schon länger mit mir trage: ein öffentliches Yoga & Paint Event. Menschen zusammenbringen, Raum schaffen, etwas auf die Beine stellen. In meinem Kopf sehe ich es schon — und es fühlt sich gut an. Jetzt muss es nur noch Realität werden.

Die Herausforderung hier ist nicht das Können — sondern das Sichtbarwerden. Etwas ankündigen, bevor man weiß, ob es klappt.

Status: In Planung. Mehr dazu bald.


Was kommt noch auf die Liste?

Ich weiß es noch nicht genau. Die Liste wächst. Vielleicht kommt da noch: alleine verreisen. Etwas auf einer Bühne sagen. Einem Fremden ein Kompliment machen. Oder etwas ganz anderes, das ich heute noch nicht sehe.

Bei ehrlicher Betrachtung werden viele Menschen feststellen: Alles, worauf ich stolz bin in meinem Leben — das habe ich außerhalb der Komfortzone erreicht.

Ich glaube, das stimmt. Und ich glaube auch, dass der erste Schritt nicht der mutigste sein muss — er muss nur getan werden.


Hast du auch Dinge auf deiner stillen Liste, die du schon lange vor dir herschiebst? Schreib mir — ich bin neugierig.


Slow & Wild ist ein Ort für ehrliche Geschichten über langsames Leben, Bewegung und das, was uns wirklich wachsen lässt. Wenn dir dieser Beitrag etwas gegeben hat, freue ich mich über eine Nachricht oder einen geteilten Moment.


Zum Weiterlesen — die Studien dahinter:

  • Woolley & Fishbach (Cornell / University of Chicago) — Unbehagen als Zeichen von Fortschritt: spektrum.de
  • Kuijpers et al. (Freie Universität Brüssel) — Vorteile von untypischem Verhalten: spektrum.de

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